Neujahrsbegrüssung 2012
Neujahrsbegrüssung 2012
Ansprache Neujahr 2012, Freitag, 06. Januar 2012
von Helga Klee, Präsidentin
Herzlich willkommen liebe Mitarbeiterinnen, liebe Mitarbeiter, geschätzte Kollegin und Kollegen im Schulrat, werte Mitglieder der Geschäftsprüfungskommission zum OMR Neujahrsapéro. Speziell begrüsse ich unsere beiden Schulsozialarbeiterinnen Silvia Eberle und Simone von Wattenwyl, die erstmals unter uns sind. Ich heisse auch die Vertreterin des Rheintalers, Frau Susi Miara herzlich willkommen bei uns. Es freut mich, dass sie im Rheintaler über unseren Anlass berichten wird. Da an der OMR die Unterrichtssprache in allen Fächern die Schriftsprache ist, werde ich mich ebenfalls in der Hochsprache an euch wenden.
Ich freue mich über den Grossaufmarsch mit dem ihr dokumentiert, dass es für euch wichtig ist, dass wir uns gegenseitig ein gutes, neues Jahr wünschen. Ich wünsche euch beste Gesundheit, sie ist ein wichtiges, unbezahlbares Gut. Ich wünsche euch Lebensfreude und Humor damit kann man die Annehmlichkeiten des Lebens besser geniessen. Aber auch Leiden und Kummer sind mit einer positiven Einstellung viel besser zu verkraften. Zu einem guten Jahr gehören auch Erfolge. Diesen wünsche ich euch Privat und auch im Beruf.
Ich bin mir bewusst, dass mit ein paar guten Wünschen weder Sorgen noch Ärger aus der Welt zu schaffen sind. Es wird immer auch Enttäuschungen geben. Die Tradition des Austauschens von guten Wünschen zu Beginn eines neuen Jahres hat trotzdem einen tieferen Sinn, nämlich Hoffnung, Sympathie, Freundschaft und Verbundenheit auszudrücken. Ich freue mich, dass wir an der OMR Traditionen wie pflegen. Warum:
Traditionen out?
Das Wort Tradition führt bei vielen Menschen leicht zu einem Nase-Rümpfen. Es wird in Verbindung gebracht mit Ewiggestrigem, Verstaubtem, längst Abgegriffenen. Im Gegensatz dazu die Moderne: Sie beinhaltet das Zeitgemässe, wird wie es heute gerne heisst - als "cool" bezeichnet und findet leicht Akzeptanz. Dabei wird oft übersehen, dass Tradition die Grundlage jeder Kultur darstellt. Ohne sie gäbe es keine Sprache, keine Wissenschaft, kein handwerkliches Können, und nicht zuletzt keine Grundsätze und Werthaltungen. Selbst dort, wo Revolutionen stattfinden, ist nicht davon auszugehen, dass völlig Neues entsteht. Es wäre auch überheblich zu glauben, dass die Art und Weise, wie sich Menschen über viele Generationen hinweg organisiert haben, alles plötzlich nicht mehr brauchbar und unsinnig ist.
Der Begriff Moderne im alltäglichen Sinn wird meist assoziiert mit Fortschrittlichkeit, mit Autonomie und Individualismus, aber auch mit Kurzlebigkeit und Oberflächlichkeit. Pubertierende, das erlebt ihr geschätzte Lehrpersonen täglich, sind besonders anfällig dafür, das als Modern propagierte unreflektiert zu übernehmen und sich damit von den "Alten" abzugrenzen. Leichtfertig wird unterlassen, das Neue einer genauen Prüfung zu unterziehen, zu klären, was der Wert des Althergebrachten, was der Mehrwert des Neuen sein soll.
Heute wirkt die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen zumindest aus Distanz gesehen sehr selbstsicher. Sie sind es gewohnt, eigenständig Entscheide zu treffen und bestehen darauf, ihren eigenen Weg zu gehen. Das erwachsene Gegenüber hat sich zunehmend zurückgenommen, zum Teil mit sehr positivem Effekt, zum Teil mit fatalen Folgen: Hat sich das nach Selbstverwirklichung suchende Kind vor Jahrzehnten noch konfrontiert gesehen mit einem autoritären Gegenüber, das ihm kaum noch eigenes Denken zugestanden hat, läuft es heute unter Umständen ins Leere, spürt oft keinen Widerstand mehr, an dem es sich reiben und seine Grenzen erfahren kann.
Zeit wertvolles Geschenk
Zeit wird immer mehr zur Mangelware, und somit zu einem der wertvollsten Geschenke, welche man einem Kind/ einem Mitmenschen geben kann.
Da wo Werte wie Verantwortlichkeit, Zuverlässigkeit, Verbindlichkeit und Solidarität wenig geübt werden, verlieren sie an Bedeutung - ein idealer Nährboden für immer ausgeprägteren Individualismus und Selbstbezogenheit. Dort, wo in ungenügendem Mass oder gar keine Grenzen gesetzt werden, kann das Kind, können Jugendliche im Gegenüber keine gesunde, konstruktive Autorität wahrnehmen.
Ein partnerschaftlicher dem Alter der Kinder entsprechender Miteinbezug in wichtige Entscheide ist zentral für die Autonomieentwicklung. Sie setzt jedoch eine bewusste und klare Wertvorstellung beim Erwachsenen voraus. Unter den Folgen einer fehlenden Auseinadersetzung leiden schlussendlich sowohl die Kinder, die sich allein gelassen fühlen, wie die Erwachsenen, die sich hilflos Symptomen gegenüber sehen wie Verweigerungshaltung, Antriebslosigkeit, Unruhe, erhöhter Gewaltbereitschaft und Vandalismus.
Moderne Unterhaltungselektronik
Der Einzug der modernen Unterhaltungselektronik macht beim Spielen das menschliche Gegenüber unnötig. Bilder, in denen die ganze Familie im Wohnzimmer zusammensitzt und miteinander spielt sind heute leider zu oft Erinnerungen an längst vergangene Zeiten. Heute halten sich die Kinder und Jugendlichen zunehmend in ihren Zimmern auf, die mit Fernseher, DVD, PC und mit diversen Computerspielen bestückt sind. Für Zeitvertreib ist gesorgt, das Gruppenerlebnis scheint unnötig und störend, das Elektrogerät ersetzt das menschliche Gegenüber. "Freunde" finden sich über Facebook, und das gleich zu Hunderten. Dass dabei wichtige Übungsfelder verloren gehen, wenn das Aushandeln und Einhalten von getroffenen Regeln nicht mehr geübt wird, wenn niemand da ist der hilft, nach einem verlorenen Spiel mit der Enttäuschung umzugehen, wird in seiner Tragweite häufig nicht erkannt. Tatsache ist, dass bei einer zu kurz kommenden Auseinandersetzung mit einem Gegenüber das Übungsfeld verloren geht, um die Basis für Moral zu bilden.
An sich ist es ja reizvoll, mit Handys von überall her kommunizieren zu können, via Internet mit der ganzen Welt vernetzt zu sein, über handliche und kleinste Geräte riesige Mengen Musik und Filme konsumieren zu können, egal wo wir uns grad befinden. Auch hier ist die Fähigkeit, eine quantitative - und damit verbunden eine qualitative Auswahl treffen zu können von enormer Bedeutung. Lernen die Jugendlichen nicht mit dieser Inflation von Waren und Informationen sinnvoll umzugehen, sind Übersättigung und Reizüberflutung die logische Konsequenz. Statt zurückzufahren und sich einzugrenzen ist leider zu beobachten, dass Einzelne nach immer noch mehr suchen und rufen. Das ganze nimmt Suchtcharakter an.
Die ökonomische und technologische Entwicklung ist so schnell vergangen, dass sie weder in aller Konsequenz erfasst, geschweige denn verarbeitet worden ist. Um den Heranwachsenden Hilfestellungen geben zu können, ist es unumgänglich, dass wir selbst uns bestmöglichen, Über- und Durchblick verschaffen.
Jahresmotto Cyber-Bullying
Der Schulrat hat deshalb für das Schuljahr 2012/013 Cyber-Bullying zum Jahresmotto erklärt. In einer Arbeitsgruppe bestehend aus den Lehrpersonen Oliver Morandi und Joachim Salokat, den Schulratsmitgliedern Heinz Indermaur und Urs Staudacher, angeführt von unserem Schulleiter Markus Waser wurde unter dem Titel "Chancen und Gefahren mit sozialen Medien ein Grobkonzept entworfen. Gestartet wird das Projekt im Februar 2013 mit einer Info - Veranstaltung für euch Lehrpersonen. Es folgen Elternveranstaltungen und zum Abschluss gelangt im Sommer 2013 ein von den Schülerinnen und Schülern passend zum Thema einstudiertes Musical zur Aufführung. Die Gefahren der Diffamierung, Belästigung, Bedrängung und Nötigung anderer Menschen mit Hilfe elektronischer Kommunikationsmittel über das Internet, in Chatrooms, und/oder auch mittels Mobiltelefonen werden auch im Unterricht thematisiert.
Eine repräsentative Studie der Universität Münster zusammen mit der Techniker Krankenkasse kam 2011 zu dem Ergebnis, dass mittlerweile mehr als 36% der Jugendlichen und jungen Erwachsenen als Opfer von Cybermobbing betroffen sind. 21% der Befragten konnten sich vorstellen, auch als Täter im Internet aufzutreten.
Aufklärung ist also ein Muss. Ich danke allen, die mithelfen, dass unsere Schülerinnen und Schüler Bescheid wissen über Chancen und Gefahren der digitalen Medien.
Neues Personalgesetz
Zwei Jahre länger unterrichten, war am Mittwoch im Rheintaler zu lesen.
Die Schlagzeile lieferte mein Amtskollege in Altstätten anlässlich seiner
Neujahrsbegrüssung. Als Mitglied der vorberatenden Kommission für das revidierte Personalgesetz kann ich euch versichern, diese Schlagzeile stimmt nicht. Richtig ist: Die bisherige Bandbreite für den ordentlichen Übertritt in den Ruhestand zwischen dem 63. und 65. Altersjahr fällt für alle Staatsangestellten weg. Neu treten auch die Lehrpersonen Ende Semester nach Vollendung des 65. Altersjahrs in den Ruhestand unter Vorbehalt einer mit dem Schulrat abgemachten Weiterarbeit. Hierzu zwei besondere Bemerkungen:
Übergangsstichtage zwischen der alten und der neuen Regelung sind der 31. Mai und der 1. Juni 2012. Wer bis und mit 31. Mai 2012 63-jährig wird, tritt grundsätzlich auf 1. August 2012 in den Ruhestand. Wer ab 1. Juni 2012 63-jährig wird, tritt grundsätzlich auf Ende des Semesters nach dem 65. Geburtstag in den Ruhestand. Gegenüber Lehrpersonen mit 63. Geburtstagen bis 31. Mai 2012. Auch unter dem neuen Recht ist keine Lehrperson gezwungen, über das 63. Altersjahr hinaus weiter zu arbeiten. Will sie nach Erfüllung des 63. Altersjahrs in den Ruhestand treten, so ist ihr dies unbenommen; sie tut dies rechtlich mit einer Arbeitnehmer-Kündigung. In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass die Verschiebung des ordentlichen Übertritts in den Ruhestand die Leistungen aus der Lehrerversicherungskasse nicht tangiert. Dort bleibt es bis zu einer späteren Kassenrevision beim"Finanzierungshorizont 63", d.h. nach Erreichen des 63. Altersjahrs ist der Beitragsprozess abgeschlossen und es entsteht der Anspruch auf die ordentliche Altersleistung der Pensionskasse.
Rücktritte aus dem Schulrat
Liebe Mitarbeiterinnen, liebe Mitarbeiter, für mich ist das Jahr 2012 mein letztes Jahr als OMR Präsidentin. Ab Januar 2013 geniesse ich es, dass nicht mehr meine Agenda meinen Tagesablauf vorgibt. Noch bis Ende Dezember werde ich mich jedoch mit viel Einsatz für unsere regionale Schule stark machen, denn es ist eine spannende, bereichernde und fordernde Tätigkeit. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich ein Engagement für euch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für unsere Schülerinnen und Schüler immer lohnt.
Meine Ratskollegen Martin Riedener, Roger Vetsch und Heinz Indermaur werden sich im Herbst keiner Wiederwahl mehr stellen. Sie werden leider zum Teil bereits nach vier Jahren aus dem OMR Schulrat ausscheiden. Da wir an der Bürgerversammlung im Zusammenhang mit der Revision der Gemeindeordnung vorschlagen, den OMR Schulrat auf 5 Mitglieder zu verkleinern, wird sich der OMR Schulrat ab Januar 2013 aus drei bisherigen und zwei neuen Mitglieder zusammensetzen.
Abschliessend danke ich euch Allen, dass ihr unsere Traditionen pflegt, denn ohne Traditionen gibt es keine Grundsätze und Werthaltungen. Ich freue mich über die verschiedenen Aktivitäten, im Speziellen die OMR Expo, die im vergangenen Jahr dank eueren Sondereinsätzen mit grossem zusätzlichem Engagement möglich wurden. Ich bin überzeugt, dass wir auch im neuen Jahr mit vielen positiven Aktionen beweisen, dass unsere OMR eine gute Schule ist.
Lassen wir nun die Gläser klingen auf unser gemeinsames Ziel, an der Qualität, an unseren Werten, und am guten Teamgeist der OMR konsequent weiter zu arbeiten.