Wie der Vesber entstand
1930 - eine fröhliche Schar von Buben und Mädchen der dritten Sekundarschulklasse fuhr ins sonnige Tessin, das sie zunächst einmal mit strömendem Regen empfing. Der Sonne in unseren jungen Herzen konnte indessen auch der graue Himmel nicht allzu lange widerstehen. Und so wurden drei herrliche, glückliche Tage ein unvergessliches Erlebnis. Die für uns so denkwürdige Fahrt mit ihren Vor- und Nachfreuden schloss die schon an sich von starken Freundschaften getragene Klasse noch enger zusammen und wenn wir an den bevorstehenden Austritt aus der Sekundarschule dachten, beschlich uns bei aller Freude auf die in Aussicht stehende «Freiheit» doch eine leise Wehmut. Wir begannen diese letzte Zeit unseres Zusammenseins im Wissen um ihre Begrenztheit zu kosten und schon damals spukte gelegentlich die Frage herum, ob es nicht möglich wäre, unsere Beziehungen auf die Dauer zu festigen und zu wahren. Die Keimzelle des VESBERs war da.
Jahre vergingen, man traf sich alljährlich am Examen, bald mehr bald, weniger zahlreich. Allmählich lichteten sich die Reihen. Es ging uns nicht besser als allen andern. So kam die Zeit, da wir einander aus den Augen zu verlieren begannen. Damit wollten wir uns nicht abfinden.
Gleichzeitig lernten wir das, was uns die Schule als Rüstzeug mitgegeben hatte, mehr und mehr schätzen. Es herrschten keine rosigen Zeiten. Tausende von Arbeitslosen, Notstandsarbeiten überall, kein Geld und hohe Steuern. Auf jede offene Stelle meldeten sich Scharen von Anwärtern. Hatte man das Glück irgendwo unterzukommen, so durfte man lange nicht nach dem Lohn fragen. Dass wir Bernecker Schüler bei dieser Konkurrenz im Allgemeinen verhältnismässig gut abschnitten, hatten wir nicht zuletzt unseren Lehrern, unserer Schule zu verdanken. Aus dieser Erkenntnis heraus wuchs der Wunsch, von Nehmenden zu Gebenden zu werden, etwas für die uns nachfolgenden Jahrgänge und die Schule selbst zu tun.
Noch trug Berneck nahezu allein die Lasten für die Ausbildung der Sekundarschüler im Mittelrheintal. Wir andern waren Nutzniesser gegen ein höchst bescheidenes Entgelt. Vorläufig stand es noch nicht in unserer Macht, an diesen Zuständen etwas zu ändern. Indessen wollten wir wenigstens im Rahmen unserer Möglichkeiten das Unsrige dazu beitragen, um die Schule und das Verständnis für ihre Anliegen zu fördern.
Sieben Jahre nach der denkwürdigen Tessinreise war die Zeit für den VESBER reif. Ein kleiner Kreis machte sich an die Vorarbeiten. Wir waren uns bewusst, dass ein Zusammenschluss der Ehemaligen nur dann Bestand haben konnte, wenn zwei Bedingungen erfüllt würden. Einmal musste ein ruhender Pol, wenn möglich mit Sitz in Berneck, gefunden werden, dessen Aufgabe es war, die Adressen der Ehemaligen zu sammeln und à jour zu halten, Kontakte nach allen Seiten bereit zu stellen. Sodann sollte ein Mitteilungsblatt laufend Nachrichten über Ehemalige einerseits und die Schule andererseits vermitteln.
Es war ein Glücksfall, dass Herr Sekundarlehrer Wick sich bereit fand, sowohl das Sekretariat als auch die Redaktion und Administration unserer Zeitung zu übernehmen.
Im April 1937 schritten ca. 40 Ehemalige, die eigentlich zu einer Vororientierung eingeladen zu worden waren, kurzerhand zur Gründung. Noch im gleichen Herbst trafen sich ihrer 200 zur ersten ordentlichen Hauptversammlung. Ihr Ergebnis bestand in der Schaffung der längst gewünschten Schülerbibliothek und einer Stellenvermittlung für Ehemalige. Der Start war gelungen und die Initianten durften mit Freude und Zuversicht an die Verwirklichung ihrer weiteren Pläne herangehen.
Albert Egli, Heerbrugg
in «Hundert Jahre Sekundarschule» 1859-1959.